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Einen stärkeren Rücken

Wort zum Tage, 07.11.2025

Prälat Tobias Przytarski, Berlin

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"Bete nicht um eine leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken." – Das Wort stammt von der großen spanischen Ordensfrau Teresa von Avila. Sie hatte lange Zeit mit erheblichen Widerständen gegen ihre Reformpläne zu kämpfen, musste mit Menschen umgehen, die sie nicht verstanden, die alles beim Alten lassen wollten oder sich von ihren Ideen überfordert fühlten. Da war vermutlich ab und zu die Versuchung groß, aufzugeben und sich das Leben nicht so schwer zu machen.

Dagegen steht Teresas Wort, nicht um eine leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken  zu bitten. Also darum, nicht klein beizugeben, sondern genügend Kraft zu bekommen, mit Widrigkeiten umzugehen.

Ich kenne ja solche Situationen auch, in denen ich mich frage: "Warum tust du dir das überhaupt an? Das musst du doch nicht machen." Oder ich habe das Gefühl, den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Und deshalb aufzugeben. Sollen sich doch andere daran abarbeiten. Umgekehrt erlebe ich aber auch, dass ich in schwierigen Situationen manchmal mehr Belastungen aushalten konnte, als ich selbst zuvor erwartet hätte. Dass ich auf Lösungen stieß, wo es zunächst scheinbar keine gab. Mir hilft dabei, dass ich mich nicht allein auf mich selbst verlassen muss. Ich kann jemanden bitten, mir Kraft zu geben. So wie Teresa vorgeschlagen hat, Gott um einen stärkeren Rücken zu bitten.

Im Alten Testament findet sich ein schöner Kommentar dazu: "Die auf den Herrn hoffen, empfangen neue Kraft, wie Adler wachsen ihnen Flügel. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt" (Jes 40,31). Der Glaube kann tatsächlich helfen, einen "stärkeren Rücken" zu bekommen. Zu wissen, dass da jemand ist, der mir beisteht, der mit mir geht und mir Kraft gibt, – das ist ein Geschenk und macht für mich oft mehr möglich als erwartet.

Wobei auch eine Rolle spielt, ob ich eine Last gern trage, weil sie mir wichtig ist. Weil ich vielleicht auch die Menschen gernhabe, mit denen ich zu tun habe. Die mich fordern und manchmal auch überfordern.

Zugegeben, auch im Glauben kann ich an einen Punkt geraten, an dem ich mir eingestehen muss, nicht mehr weiterzukommen. An dem ich zugeben darf, dass eine Situation zu viel für mich wird. Glaube hilft zwar, gibt neue Kraft, – aber macht mich nicht unbegrenzt belastbar und schon gar nicht allmächtig.

Aber selbst dann hilft mir der Glaube. Dann kann ich nämlich sagen. "Gott, ich weiß nicht mehr weiter, ich kann nicht mehr. Jetzt musst Du selbst übernehmen."

Über den Autor Prälat Tobias Przytarski

Prälat Tobias Przytarski wurde 1959 in Berlin geboren, studierte in Paderborn und Rom Philosophie, Theologie und Kanonisches Recht und wurde 1984 zum Priester geweiht. Nach Jahren als Kaplan und als Gemeindepfarrer übernahm er ab 2001 als Offizial die Verantwortung für die kirchliche Gerichtsbarkeit, seit 2005 als Leiter des Katholischen Büros auch für die Verbindungen des Erzbistums Berlin zur Landespolitik in Berlin und Brandenburg. 2012 – 2014 und 2015 – 2017 war er Generalvikar und damit verantwortlich für die Verwaltung des Erzbistums Berlin. 2014 wurde er zum Diözesanadministrator gewählt und leitete die Katholische Kirche in Berlin, Brandenburg und Vorpommern bis zur Amtseinführung des neuen Erzbischofs 2015. Seit 2017 ist er Dompropst an der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale.